Vorwort
Warum der Homo sapiens die „Dumbest Creature“ sein könnte
Warum handelt die klügste Spezies gegen ihr eigenes Überleben?
Misst man Intelligenz daran, wie gut eine Spezies ihr eigenes Überleben sichert, schneidet der Homo sapiens schlecht ab. Das Vorwort geht neun Brennpunkte durch: Wasser, Ernährung, Klima, Krieg, Müll, chemische „neuartige Substanzen“, Böden, antimikrobielle Resistenz und Artenvielfalt. Sieben der neun planetaren Belastungsgrenzen sind bereits überschritten; 2025 kam die Ozeanversauerung hinzu.
Das Paradox ist kein Mangel an Wissen. Die Wissenschaftler von ExxonMobil sagten die Erwärmung ab 1977 zutreffend voraus, während die öffentliche Kommunikation des Konzerns Zweifel betonte. Die Lücke zwischen Wissen und Handeln dauerte beim Tabak 53 Jahre, beim verbleiten Benzin 97 Jahre. Das Buch benennt den Mechanismus: ein Gehirn, das auf kurzfristige Belohnung programmiert ist (Gegenwartspräferenz), verstärkt durch drei strukturelle Beschleuniger. Die Wachstumsrechnung ignoriert verbrauchte Ressourcen, politische und unternehmerische Zyklen sind viel kürzer als die Verzögerungen des Klimas, und Effizienzgewinne werden durch Rebound-Effekte aufgezehrt.
Die Evolution liefert ernüchternde Beispiele. Die Rentiere auf St. Matthew Island vermehrten sich von 29 auf 6.000 Tiere, überweideten ihre Flechten und brachen auf 42 zusammen. Die Menschheit verbraucht heute jedes Jahr 1,73 Erden – doch anders als die Rentiere können wir die Kurve lesen.
Hoffnung geben Fälle, in denen die Kurskorrektur gelang: das Montrealer Protokoll, das Ende des verbleiten Benzins, Solarstrom als günstigste Stromquelle und Amsterdams Donut-Ökonomie. Jeder Fall verband klare Wissenschaft, ein messbares Ziel, eine Regel, die Anreize veränderte, und eine bezahlbare Alternative. Dummheit, so das Fazit, ist gewählt, nicht angeboren. Das Paradox zu erkennen ist der erste Schritt, es zu durchbrechen.